Vom städtischen Leben

Anke Rohde hat vor kurzem ihr neues Atelier in Schierstein eröffnet

Von Christine Dressler


Anke Rohde malt seit der Kindheit, studierte aber erst Betriebswirtschaft, bevor sie die Kunst aus Berufung zum Beruf machte. Jetzt eröffnete die 49-jährige Sonnenberger Malerin ein eigenes Atelier in der Kettenbornstraße 3.


Urbane Szenen wie hier in Gent sind Anke Rohdes Spezialität.

Foto: Christine Dressler


,,Projektraum" nennt Anke Rohde ihr neues Atelier, weil sie die 80 Quadratmeter nicht nur nutzt, um zu arbeiten. Im früheren Tuchhaus Ambrosius stellt Rohde auch ihre Öl- und Acrylgemälde aus und bietet anderen Künstlern Flächen für Projekte wie jetzt zum Auftakt Martina Pfeffer: Bis Ende 2015 läuft im hinteren Raum ,,pure white", das Perfomancevideo der Mindener Künstlerin zu ihren gefilzten Körperhüllen.

In Minden fing Anke Rohde schon an, bundesweit auszustellen, bevor sie mit ihrem Mann und den heute 18- und 15-jährigen Töchtern 2007 nach Wiesbaden zog. ln Stuttgart geboren und aufgewachsen wählte sie zwar ,,das Gymnasium nach dem Kunstlehrer und besuchte später viele Kurse", wagte aber lange nicht, der Neigung beruflich zu folgen. Stattdessen studierte sie BWL in Karlsruhe und arbeitete dort bei Hewlett Packard wie in Bremen im Cofltrolling, bis die Familie 2002 nach Minden zog. Hier trat Anke Rohde dem Kunstverein bei und studierte bis zum Zertifikat 2007 an Bremens Hochschule gestaltende Kunst. Erst nach Ausstellungen in Deutschland und London seit 2010 endgültig freischaffende Künstlerin fuhr sie 2013 und 2014 wiederum von Sonnenberg jede Woche zum Studium nach Bonn. Nur eins fehlte Rohde: ideale Räume. ,,Zuhause habe ich nur einen 30-Quadratmeter-Raum im Souterrain und wenig Ruhe", erklärt sie, wie Arbeit und Familienleben kollidieren. 2014 mietet sie bis November ein Atelier im Alten Gericht. ,,Da war ich sehr gerne, aber es gab keine Möglichkeit auszustellen oder richtig zu heizen und bei elf, zwölf Grad konnte ich nicht mehr malen." Wieder auf das Souterrain angewiesen, fuhr das Mitglied im Kunstverein Walkmühle, monatelang auf der Suche nach geeigneten Räumen durch Wiesbaden." Das Glück, diese zum September mit dem aufgegebenen Stoffladen der Familie Ambrosius gefunden zu haben, kann Anke Rohde kaum fassen: ,,Ich bin noch gar nicht angekommen", sagt sie und blickt sich strahlend um: ,,Hier kann ich in der Atmosphäre meiner Bilder die nächsten malen", schwärmt sie, wie perfekt der Laden als Atelier und Galerie ,,zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt".

Vor der von rund 60 begeisterten Besuchern überlaufenen Eröffnung im November baute Anke Rohde eine Küche ein, trug das wenige Mobiliar zusammen und schützte den Boden im lichtdurchfluteten Eingangsraum vor Farbflecken mit PVC. Hier malt Anke Rohde fast täglich stundenlang an der Staffelei vor dem Fenster auch fotorealistische Stillleben, altmeisterliche Porträts oder in extremen Hochformaten einzelne Menschen mit Blick ins Weite von hinten, aber vor allem an ihrer Serie ,,urban life". Das bezeugt in den Räumen auch die Mehrzahl der zurzeit gut 20 Gemälde. So melancholisch wie lebensbejahend spiegeln sie oft an Schaufenstern Städte wie Düsseldorf, Frankfurt oder jetzt an der Staffelei Gent. Um parallel innen und außen, Emotionen und Zeiten, Sichtbares und Unbewusstes zu reflektieren, legt Anke Rohde zig eigene Fotos übereinander. ,,Die Kamera habe ich immer dabei." Auf der Leinwand korrigiert die Künstlerin mit Vorbildern von Albrecht Dürer bis Edward Hopper Perspektiven und ergänzt in lasierenden Schichten mit vielen Pinseln minutiös Details.

Ausgleich findet sie in ihrer Familie und Hobbys: ,,Ich arbeite viel im Garten, wandere, fahre Ski und bin gerne in der Natur." Informationen gibt die Künstlerin Anke Rohde direkt im meist freitags von 'l 5 bis 18 Uhr offenen Schiersteiner

Atelier, Kettenbornstraße 3/ Ecke Reichsapfelstraße, per Mail an mail@ankerohde.de, unter Telefon 01 79-1 047305 und im Internet auf:

wwww.ankerohde.de.