Hanauer Anzeiger 15.05.2018

Trinkhallen auf Leinwand gebracht

Künstlerin Anke Rohde zeigt hyperrealistische Malereien in der Remise

Von Andrea Pauly

HANAU Trinkhalle, Kiosk, Wasserhäuschen, Bude, Späti, – die Bezeichnungen sind so vielfältig wie das Angebot und die Besucher. Denn Trinkhallen haben meist ausgedehnte Öffnungszeiten und bieten mehr als das Bierchen für die „Drum-Herum-Steher“. So gehören auch die Frankfurter Wasserhäuschen seit Jahrzehnten zum Stadtbild als Kulturgut und „Babbeleck“. Auch wenn sie zur Rarität geworden sind, da viele von ihnen abgerissen oder umfunktioniert wurden. Die in Wiesbaden lebende Künstlerin Anke Rohde nähert sich dem vielschichtigen Sujet Trinkhalle mit  hyperrealistischen Malereien, welche die Kioske als urbane Stillleben zeigen. Aktuell zeigt sie eine Auswahl ihrer meist großformatigen Werke und einige Skizzen dazu unter dem Titel „Take away & To Go“ beim Hanauer Kulturverein in der Remisengalerie von Schloss Philippsruhe. Ein Zeitungsartikel über das Verschwinden der Trinkhallen im Raum Frankfurt mit dem Foto einer Trinkhalle weckte seinerzeit Rohdes Interesse und nach einigen Recherchen zog sie im September 2015 mit ihrer Kamera los, besuchte die noch bestehenden Büdchen in Frankfurt und fotografierte sie – allerdings menschenleer. Denn die Künstlerin näherte sich dem Thema mit ihrer Faszination für die häufig einzeln stehenden kleinen Gebäude mit all ihren Facetten und Details – den Auslagen in den Fenstern von Fruchtgummibox-Türmen, über Alkoholika bis zu Zeitschriften und den Schildern auf den Dächern sowie vor den Buden. Entstanden sind hyperrealistische ästhetische Bilder, die eine fast andächtige Ruhe ausstrahlen. Anke Rohde lebt und arbeitet in Wiesbaden. Sie widmet ihre gegenständliche, zum Teil hyperrealistische Malerei häufig dem urbanen Umfeld. Und so findet man in ihren Bildern „Großstadttreter“ wie den Converse Turnschuh, Hochhausfassaden, Schaufensteransichten und aktuell nun das Thema Trinkhallen. Inzwischen gibt es in Frankfurt sogar einen Verein zum Erhalt der Frankfurter Wasserhäuschen. „Linie 11“ setzt sich dafür ein, diese Lokationen auf Dauer zu erhalten und zu beleben. Darüber hinaus hat man hier das Ziel, den Leuten die „Angst“ vor dem Büdchen zu nehmen, und gerade auch generationsübergreifendes Vertrauen zu schaffen. „Ein Büdchen hat immer kalte Getränke; am Büdchen gibt’s immer was zu hören. Wasserhäuschen sind für eine Vielzahl von Menschen der Punkt, um sich auszutauschen, sein Feierabendbier zu trinken, oder sich einfach eine gemischte Tüte zu holen. Die Buden gehören zum Stadtbild von Frankfurt, wie die Mussigg zum Handkäs“ so der Verein.

➔ Die Ausstellung Trinkhalle, Büdchen & Co. von Anke Rohde geht bis Sonntag, 27. Mai und wird vom Hanauer Kulturverein in der Remisengalerie von Schloss Philippsruhe präsentiert. Die Öffnungszeiten sind jeweils samstags, sonntags und Pfingstmontag von 14 bis 17 Uhr.

Künstlerin Anke Rohde (Mitte) und Laudatorin Katharina Reschke (Künstlerin und Kulturpreisträgerin 2015) sowie die Vorsitzende des Kulturvereins Maria Dorn im Gespräch. Foto: Pauly