Mörfelden-Walldorf 14.03.2018

Kommunale Galerie in Walldorf zeigt fotoähnliche Malereien

Von Sebastian Schwappacher

MÖRFELDEN-WALLDORF - Auf den ersten Blick sind einige der Gemälde nicht von einer Fotografie zu unterscheiden. Tritt man in der Kommunalen Galerie näher an die Leinwände heran, werden unzählige feine Pinselstriche sichtbar. Die Werke auf diesen Aspekt zu reduzieren, wäre aber verfehlt. Den Künstlern der Ausstellung „Realismus - Eine Bildsprache, gestern und heute“ geht es nicht um das bloße reproduzieren. Sie schaffen eigene Welten, spielen mit Perspektiven, greifen Stimmungen und Lichtverhältnisse auf.

Rund 60 Besucher kamen in die Stadthalle, wo Liedermacher Siggi Liersch zwischen Leinwänden und einer Skulptur Gitarre spielte und Lieder von Bob Dylan und John Lennon sang. „Der Saal ist voll, die Arbeit hat sich gelohnt“, zeigte sich Galerist Gering zufrieden. Seit 1973 vertritt er ausschließlich zeitgenössische, realistische Kunst mit Schwerpunkt Foto- und Hyperrealismus.

ÖFFNUNGSZEITEN

Die Ausstellung „Realismus - Eine Bildsprache, gestern und heute“ ist noch bis zum 25. März zu sehen. Zur Finissage spielt Gerd Koellner ab 18.30 Uhr am Klavier. Bis dahin hat die Kommunale Galerie mittwochs, samstags und sonntags, jeweils von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Zu finden ist der Ausstellungsraum in der Stadthalle, in der Waldstraße 100.

Die Ausstellung in Walldorf konzipierte er abwechslungsreich und mit unterschiedlichen künstlerischen Ansätzen. Straßenzüge, tosende Wellen und ein Stillleben aus drei Tassen sind zu sehen.

Ein Ölgemälde von Peter Handel fällt sofort ins Auge. Sein großformatiges Werk „Christin 2“ hängt prominent gegenüber dem Eingangsbereich und zeigt eine schlafende Frau im Badeanzug, die seltsam entrückt zu träumen scheint. Drängt sich hier ein Vergleich von malerischer Perfektion und Fotografie besonders auf, sind andere Werke weit weniger fotorealistisch angelegt.

Das Motiv hängt immer vom Künstler ab

Wie genau ein Motiv werde, hänge immer am Thema, dass ein Künstler bearbeite, erklärte Galerist Gering. Einen Wettstreit zwischen realistischer Malerei und Fotografie sieht er nicht. „Ein guter Realist erfindet seine Wirklichkeit“. So könne sich ein Maler auf der Leinwand freier ausdrücken und unterscheide sich durch seinen Erfindungsgeist vom Naturalisten oder Fotografen. Ob die ausgestellten Motive eine Entsprechung in der Wirklichkeit haben, bleibt das Geheimnis der Künstler. Weniger beeindruckend macht es sie aber nicht. So zieht einen nicht nur der „Herbstwald“ von Jürgen Schmitz sofort in den Bann. Im Bildhintergrund strahlt die Sonne gleißend hell und schafft einen starken Kontrast zu den dunkel gehaltenen Bäumen. Ganz anders eine Szene aus Venedig, die Manfred Hönig auf die Leinwand brachte. Wirkt der Wald rätselhaft und latent bedrohlich, ist Hönigs Gemälde klar und offen. Weitere Werke stellen Claus Delvaux, Clemens Erlenbach, Joerg Eyfferth, Michele Fiore, Sabine Liebchen, Anke Rhode, Gerda Raichle und Johannes Schramm aus.

Im Rahmen der Vernissage bedankt sich Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) bei den Aktiven der Kommunalen Galerie und vor allem Ulrich Gering sowie dessen Künstlern. Dabei erinnerte Becker daran, dass Gering Mörfelden-Walldorf seit vielen Jahren verbunden ist und als Jurymitglied regelmäßig den Skulpturenpark unterstützt. Auch durch dieses Engagement habe sich die Freiluftausstellung so gut entwickeln können, so Becker.

In der Kommunalen Galerie geht es im April mit der Jahresausstellung des südhessischen Berufsverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler weiter. Im Sommer ist dann eine Gemeinschaftsausstellung von Reiner W. Kemmler, Kathrin Gordan und Otto Schaffner geplant.