Artprofil Mai 2018

S C H W E R P U N K T T H E M A

Malerische Reflexionen moderner Urbanität.

Anke Rohde:

Rhythmen der Großstadt.

Ausstellung vom 12. bis zum 27. Mai 2018 in der Remisengalerie, Schloss Philippsruhe, Hanau

Von Caroline Messelhäußer, M.A.










Anke Rohde; Petersstraße Frankfurt; 60 cm x 90 cm, Öl auf Leinwand, 2017 © Anke Rohde

Bei den gegenständlichen, teilweise geradezu hyperrealistisch gemalten Bildfindungen der hier vorgestellten Künstlerin Anke Rohde handelt es sich um real existierende Orte, verortet in einer urbanen Struktur. So wie die Künstlerin im Moment der Betrachtung das Objekt wahrnimmt, resultiert dies im Inhalt ihrer Arbeiten. „Es handelt sich quasi um die malerische Verdichtung des Augenblicks“, so Anke Rohde. Neben - beispielsweise Gebäuden mit Spiegelungen sowie Lichtreflexionen oder Häuser- und Hochhausfassaden – arbeitet sie derzeit an der Serie „Trinkhallen“. Ihr Interesse an diesen, meist singulär stehenden, kleinen innerstädtischen Bauwerken wurde aufgrund eines Artikels geweckt, welcher von deren Verschwinden aus der urbanen Struktur handelte. Von Neugierde gepackt, zog sie mit der Fotokamera los, um sich einige dieser Objekte genauer anzusehen. Die Trinkhallen, die auch als Buden, Büdchen, Wasserhäuschen oder schlichtweg als Kiosk bezeichnet werden, haben ihren Ursprung ungefähr in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, im Zuge der Industrialisierung. Bei dem Werk „Petersstraße Frankfurt“ der in Wiesbaden wohnenden und arbeitenden Künstlerin ist zu erkennen, was sie daran so fasziniert: Für manche Betrachter mag solch eine Trinkhalle ein umstrittener Ort sein, ein regelrechter sozialer Treffpunkt, wo Personen aus den unterschiedlichsten Milieus zusammenstehen, sich unterhalten, etwas kaufen, essen, trinken und rauchen.

Für andere hingegen, wie auch für die Künstlerin, ist es ein nostalgischer und lebendiger Platz. Die Auslagen und Dekorationen der Fenster, die Schilder und Werbe-Schilder, die Kritzeleien - all das wirkt in unserer doch sehr schnelllebigen Zeit eher ruhig, geradezu melancholisch. Durch ihre Bildwerke bleiben diese Zeitzeugen, die es glücklicherweise in ihrer charakteristischen Art noch in einigen deutschen Städten wie in Frankfurt am Main oder in Berlin gibt, erhalten und sind so wenigstens malerisch vor der Vergänglichkeit und dem Vergessen geschützt.

Ein weiteres Sujet in ihrem künstlerischen Schaffen ist die Darstellung von Schaufenstern aller Art, zum Beispiel mit Stoffen oder Blumen bestückt, aber auch von Eisdielen und insbesondere von Bekleidungsgeschäften, wie das Werk „Repeat II“ exemplarisch zeigt. In den großen Fenstern, über zwei Stockwerke hinweg, befinden sich Schaufensterpuppen und in den Scheiben spiegelt sich die Umgebung: Bäume und Gebäude überblenden und verwirren regelrecht den Blick des Betrachters in die Auslage des Geschäfts. Zugleich ist es die Momentaufnahme eines Zusammenspiels mehrerer Faktoren, denn je nach Tageszeit oder Wetter ändert sich die Spiegelung in dem Fenster, so dass dieses bei jedem Betrachten wie ein eigenes Bild erscheint und somit niemals gleich aussieht. Außerdem wurde dieser Rundbau - wieder als ein Symbol für das menschliche Erschaffen - in den 1950er Jahren errichtet, die hier ausgestellte Mode ist hingegen aus dem Frühjahr und die Reflexion geschieht im Jetzt.










Anke Rohde; 26.04.15; 30 cm x 40 cm, Acryl auf Leinwand, 2015 © Anke Rohde

Seit 2009 existiert zudem eine spezielle „Porträt“-Serie mit den Kultschuhen der Marke „Converse“. Diese auch als „Chucks“ bezeichneten Schuhe wurden quasi von jedem getragen, sind sportiv und lässig, aufgrund ihres stofflichen Materials allerdings nicht sehr langlebig. Für die Künstlerin zeigen diese Schuhe den Charakter des Trägers, der im Übrigen, zu fast jedem dargestellten Schuh, der Künstlerin bekannt ist. Konträr zu dem detailgetreu-realistisch gemalten Chuck, der mit Liebe getragen wurde und auch viel durchlebt hat, ist der Hintergrund oftmals unscharf, abstrakt oder ornamental abgebildet. So in dem Werk „26.04.15“, bei dem der weiße und mit schwarzer Schrift versehene Hintergrund wie ein Emblem absolut realistisch dargestellt ist. Der Tag der Fertigstellung ist zugleich auch der Titel dieser Kompositionen.

Die Künstlerin Anke Rohde ist fasziniert von allem, was der Mensch, auch handwerklich errichtet und herstellt. Architektur, Stadtarchitektur, Malerei, Musik, aber auch beispielsweise Graffiti sind für sie der „geballte Ausdruck von Kultur“, und dies setzt sie spannend-gekonnt in ihrem künstlerischen Schaffen bildhaft um.













Anke Rohde; Repeat II; 60 cm x 55 cm, Öl auf Nessel, 2015 © Anke Rohde

Ein Bericht aus: ARTPROFIL - Magazin für Kunst, Heft 126, © Syntax. Projektfabrik GmbH, 68219 Mannheim, Deutschland, www.artprofil-kunstmagazin.com, E-Mail: redaktion@artprofil-kunstmagazin.com